Zeit

Waren wir wirklich etwas Besonderes? Oder gesellten wir uns einfach nur zu den unendlich vielen Paaren, die zwar von sich behaupteten, besonders zu sein, es aber nicht waren? Woran machten wir fest, dass wir etwas Besonderes waren? Lag es an unserer Geschichte, unserer Art zu denken, unserer Tiefsinnigkeit, unserem Umgang miteinander? Ich zweifel nicht wirklich daran, dass wir etwas Besonderes sind. Wir sind etwas einmaliges. Das spüre ich jedes Mal, wenn ich ihn anschaue und sich wieder und wieder dieses unbeschreibliche Gefühl in mir ausbreitet. Es ist das Gefühl einzigartiger und aufrichtiger Liebe, das Bedürfnis, ihn glücklich zu machen und der Wille, mehr zu geben, als die Vernunft erlauben würde. Und doch frage ich mich immer wieder, warum wir so oft keinen Weg zueinander finden und uns stattdessen für Einsamkeit und Schmerz entscheiden..

Manchmal frage ich mich, ob es an der Zeit liegt, die uns auf einmal zur Verfügung steht. In den Monaten, in denen die gemeinsam erlebte Zeit eine sehr begrenzte Ressource darstellte, nutzten wir sie deutlich sinnvoller. Lebten für uns und den Moment. Und dabei brauchten wir nicht einmal einen Plan oder großartige Ideen, um die Zeit zu füllen. Oft lagen wir einfach nur da, nebeneinander, und lauschten dem rhythmischen Herzschlag des Anderen. Es gab traurige Momente, schwierige Gespräche und Tränen, die getrocknet werden mussten. Aber es gab nicht das bewusste aus-dem-Weg-gehen. Es gab Schmerz und Einsamkeit, wie es sie auch jetzt gibt, doch waren sie das Ergebnis der Situation, gepaart mit unendlicher Sehnsucht und nicht das Ergebnis einer bewussten Entscheidung gegen gemeinsame Zeit. Ist es tatsächlich so, dass wir mit der geschenkten Zeit nichts besseres anzufangen wissen, als sie gegen uns zu verwenden? 

Ich will nicht wahrhaben, dass wir nicht besser sind, als die, die wir früher immer bemitleidet haben. Die ihre Zeit nicht besser zu nutzen wussten, als nach Konflikten zu suchen und sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Sollten wir es nicht besser wissen, klüger sein? Ich glaube, dass es uns sogar tief im Inneren bewusst ist. Ich für meinen Teil kann das zumindest bejahen. Ich ärgere mich über diese gottverdammte Zeitverschwendung. Ich vermisse ihn, sehne mich nach seiner Nähe und frage mich immer wieder, wie wir es besser lösen können. Und doch sitze ich gerade wieder hier, allein, zurückgezogen und verfasse diese Zeilen..