Über Fernbeziehungen und Distanzen

Man hört immer wieder, dass Fernbeziehungen ihre ganz eigene Dynamik haben, Betroffene sprechen oft davon, dass ihre Beziehung dadurch so viel stärker und positiver verläuft, als wenn sie zusammen leben würden. Ich persönlich kann mir das nicht vorstellen. Möchte man nicht täglich neben seinem Partner einschlafen? Wissen, dass er am nächsten Tag da ist, wenn man wieder die Augen öffnet? Doch am schwierigsten finde ich den Punkt mit dem positiven Verlauf. Ich kenne Paare aus dem eigenen Freundes- bzw. Bekanntenkreis, die mir genau diese Dinge immer wieder erzählen. Man würde sich nicht so viel über Kleinigkeiten aufregen, die Zeit zusammen mehr genießen, sich mehr schätzen… Ich glaube eher, dass man sich einfach nicht traut, bestimmte Dinge anzusprechen und sie lieber verbirgt. Klar, man will ja auch kein Drama draus machen, wenn der andere gerade meilenweit weg ist und man keine Möglichkeit hat, ihm beim Erklärungsversuch in die Augen zu schauen und ihn in den Arm zu nehmen. Aber ist Schweigen und Runterschlucken dann der richtige Weg? Macht es das Ganze nicht irgendwann viel schlimmer? Wenn ich mir vorstelle, dass ich alle Zweifel, Dinge, die mich vielleicht in dem Moment verunsicherten, nicht anspreche, weil ich Rücksicht auf die Distanz nehmen möchte / muss… wann kommt der Punkt, an dem das Fass überläuft, an dem mich die Zweifel überrollen? Verpasse ich dadurch nicht die Chance zu lernen, wie ich mit meinem Partner auf eine anständige und respektvolle Art und Weise Differenzen ausräume und Distanzen besiege? Scheitern Fernbeziehungen vielleicht deshalb so häufig, wenn die Ferne überwunden wird? Weil sie es vorher nicht gelernt haben und jetzt überfordert sind?